Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

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Richard
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Richard »

Wann hast du die Romane denn erstmals gelesen?
Denn als der Cantarozyklus erstmals erschien (1988 bis 1990) gabs jedenfalls keine Internetforen.
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RBB
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Richard hat geschrieben: 13.07.2025, 19:00 Wann hast du die Romane denn erstmals gelesen?
Denn als der Cantarozyklus erstmals erschien (1988 bis 1990) gabs jedenfalls keine Internetforen.
Zum ersten Mal hatte ich diesen Zyklus in unserem damaligen Abo im Original gelesen. Dann packte ich ihn jahrzehntelang nicht mehr an, weil die ersten 26 Romane in diesem Stapel fehlten. Ein alter Kumpel hatte die mit zum Job genommen und dort in den Pausen gelesen. Leider ist der arme Kerl mit 33 an einem Herzinfarkt gestorben.

Vielleicht war auch Letzteres der Grund, warum ich da nie wieder reingesehen hatte. Ich wollte die fehlenden Bände in den Nachauflagen neu kaufen, habe das aber regelmäßig verpennt. Nun, ich hatte sowas ähnliches wie hier mit den 300ern gemacht (die kommen noch) und überlegte mir, welchen Zyklus ich mir für danach vornehme. Der Weg zu den Cantaro vor einigen Jahren war dann nicht sehr weit, weil mir die Handlung nur noch in ganz groben Zügen bekannt war und ich die Romane wie komplett neu lesen konnte.
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Richard
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Richard »

Verstehe, danke für die Info. Das mit dem Kumpel klingt wirklich tragisch: 33 ist wirklich noch jung. :(.
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nanograinger
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von nanograinger »

RBB hat geschrieben: 13.07.2025, 08:04 Vor diesen beiden Romanen hatte ich eine längere Pause im damaligen Forum eingelegt. Ich steckte immer noch in den Zwängen meiner psychischen Probleme. Das lief wie folgt ab: Irgendjemand schrieb etwas auf eine Äußerung meinerseits hin (das muss nicht zwingen in diesem Threat gewesen sein) und ich bezog es als persönlichen Angriff auf mich.

Mich wollte natürlich niemand angreifen, es sollten einfach nur Diskussionen sein. Was ich aber nicht begriff und so zog ich mich immer wieder mal zurück, bis mir klar wurde, dass mir eigentlich niemand ans Fell wollte. Das konnte aber schon mal zwei oder drei Monate dauern. Ich wünsche niemandem, von den Klauen der eigenen Psyche derart gefesselt zu sein.
Ich erinnere mich gut daran. Von außen sind kann man schon im realen Leben nicht in andere Personen hineinschauen, im digitalen Raum ist das noch viel schwieriger. Ich war damals sehr überrascht über deine Reaktion, und es war klar, dass ein Weiterdiskutieren keinen Sinn mehr hat.

Dass diese Phase nicht leicht war, kann ich mir bildhaft vorstellen. Umso schöner finde ich es, dass du die Kurve bekommen und wieder zu dir gefunden hast.

Alles Gute, nanograinger
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Tell Sackett »

RBB hat geschrieben: 14.07.2025, 06:01
Richard hat geschrieben: 13.07.2025, 19:00 Wann hast du die Romane denn erstmals gelesen?
Denn als der Cantarozyklus erstmals erschien (1988 bis 1990) gabs jedenfalls keine Internetforen.
Zum ersten Mal hatte ich diesen Zyklus in unserem damaligen Abo im Original gelesen. Dann packte ich ihn jahrzehntelang nicht mehr an, weil die ersten 26 Romane in diesem Stapel fehlten. Ein alter Kumpel hatte die mit zum Job genommen und dort in den Pausen gelesen. Leider ist der arme Kerl mit 33 an einem Herzinfarkt gestorben.

Vielleicht war auch Letzteres der Grund, warum ich da nie wieder reingesehen hatte. Ich wollte die fehlenden Bände in den Nachauflagen neu kaufen, habe das aber regelmäßig verpennt. Nun, ich hatte sowas ähnliches wie hier mit den 300ern gemacht (die kommen noch) und überlegte mir, welchen Zyklus ich mir für danach vornehme. Der Weg zu den Cantaro vor einigen Jahren war dann nicht sehr weit, weil mir die Handlung nur noch in ganz groben Zügen bekannt war und ich die Romane wie komplett neu lesen konnte.
Gratulation zu deiner Offenheit...das kann nicht wirklich einfach sein... :yes:
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Band 1473 - Jagd den Terraner - ist von K.H. Scheer, erschienen am 14. November 1989
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Sie saßen in einem separaten Raum der RTSKO06, einem Beiboot der RAS TSCHUBAI der Olymp - Klasse. Die 240 Meter Durchmesser garantierten zusammen mit ihrer extremen Schnelligkeit eine reibungslose Reise und vor allem eine pünktliche Rückkehr nach Newengland. Sie, das waren die neuen Freunde, die sich auf dieser nur wenigen bekannten Welt gefunden hatten: Lee Barringham, die psychologische Psychotherapeutin und der Mann, der Dank Gucky zu ihrem Lebensgefährten geworden war, der Politiker und höchstwahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat für die Wahl im nächsten Jahr, John Talbot. Die Runde wurde ergänzt durch Atlan und Gucky.

Letzterer fläzte sich auf einem Sitzmöbel herum und strahlte dabei Lee an. Der Ilt wusste natürlich genau, was sich in ihrem Kopf abspielte. Jetzt, wo sie aus Lees Heimatsystem heraus waren, wollte sie wissen, wie es mit den telepathischen Fähigkeiten des Ilts aussah, traute sich aber nicht, ihn zu fragen.

Sie sind alle so leicht einschätzbar. Auch ohne Telepathie, dachte Gucky gutgelaunt. Na gut, Perry nicht immer, der ist ab und zu ein wenig verquast. Atlan bildet sich zwar ein, er wäre anders, aber er hat zu lange auf der Erde gelebt. Sowas färbt ab. Das sieht man ja an mir. Manchmal mehr Mensch als Mausbiber. Dem Ilt war immer noch nicht klar, ob das nun ein Kompliment war oder nicht. Dann stand Bully vor seinem geistigen Auge. Der Dicke ist wiederum zu typisch. Der schafft es tatsächlich das eine oder andere Mal, mich zu linken. Insbesondere, dass er alleine auf Reisen gehen will, hätte ich ihm nicht zugetraut. Aber mir hat er es wenigsten vorher verraten.

Natürlich hatte Lee ein Problem mit seinen telepathischen Fähigkeiten und wollte wissen, wie er es damit halten würde. Er ließ seine Freundin noch ein wenig zappeln, dann erbarmte er sich. Es ist ja nicht so, als hätte ich das nicht schon mindestens tausend mal erlebt. Außerdem war ihm die Freundschaft zu den beiden Newenglandern zu wichtig, um hier jemanden im Regen stehen zu lassen.

"Ich kann dich beruhigen", sagte Gucky. "Meine telepathischen Fähigkeiten sind noch nicht wieder zurückgekehrt. Das dauert noch ein bis zwei Tage. Ich stelle das ständig vorhandene Grundrauschen schon fest, aber mit dem Rest muss ich noch Geduld haben. Du willst wissen, wie ich es mit dem Gedankenlesen bei euch halte, schätze ich mal."

Lee war ein wenig peinlich berührt und nickte.

"Ich versuche mal, es zu erklären. Es ist so ähnlich wie hören. Nicht wie der Gesichtssinn. Schau mal, wenn du von dieser schnöden Welt nichts mehr sehen willst, machst du die Augen zu und weg ist sie. Bei den Ohren geht das nicht. Die kannst du nicht verschließen und du hörst nichts mehr. Denn hinter der nächsten Ecke könnte ein Säbelzahntiger auf dich warten, weil er noch einen Happen als zweites Frühstück braucht. Den musst du ja früh genug hören können. So ähnlich funktioniert Telepathie.

Stell dir vor, du stehst in einer Menschenmenge. An deinen Ohren kommt so das Übliche an: Gemurmel, Rascheln aus kleinen Bewegungen und dergleichen. Aber nichts Konkretes. Dann sagt jemand schräg links hinter dir: Du meine Güte, ist das heiß hier. Dein Gehirn fängt automatisch an, diesen Satz zu verarbeiten und setzt ein Bild zusammen.

Männlich, nicht älter als Mitte vierzig, Plophos - Dialekt und der Typ ist hitzegenervt. Vielleicht, weil er aus einer kühlen Gegend kommt. Vielleicht drehst du dich noch rum und ergänzt: Einenmeterachtzig groß, dunkelblonde schulterlange Haare, gepflegter Typ, Dreitagebart. Damit bist du einen Schritt weiter und könntest ihn bei Bedarf sicherlich identifizieren. Wer das aber nun wirklich ist, weißt du nicht. Du kennst ihn nicht.

Du drehst dich wieder um und hast ihn nach zwei Minuten vergessen. Oder du lächelst ihn an, gehst auf seine Bemerkung ein und ihr verbringt den Rest eures Lebens miteinander.

Ein Telepath erlebt das - mit ein paar Abstrichen - ähnlich. Ich stehe in der gleichen Menge und drei Meter rechts neben mir denkt einer sehr intensiv.

Oh, hallo Dicker, setz dich zu uns. Nein, du kannst das mit dem intensiven Denken nicht gewesen sein, bei dir ist immer so eine Totenstille. Solltest du mal was gegen tun. Wo war ich stehengeblieben? In der Menge, gut.

Also der Typ denkt: Du meine Güte, was redet der da vorne für einen Unsinn! Der anschließende Prozess bei mir ist der Gleiche wie bei dir, weil mein Gehirn aus den erhaltenen Informationen automatisch ein Bild zusammensetzen will. Und das Ergebnis ist ebenso das Gleiche wie bei dir: Ich kenne die Figur nicht und habe sie nach zwei Minuten wieder vergessen."

Gucky sah sein Gegenüber an und fuhr fort. "Natürlich kenne ich meinen Ruf. Und wenn du direkt vor mir stehst, könnten deine Gedanken wie ein offenes Buch für mich sein. Aber erstens sind wir befreundet, ziemlich gut sogar und da gehört sich eine derartige Schnüffelei nicht."

Reginald Bull hätte sich fast an seinem Kaffee verschluckt, als er das hörte, woraufhin der Ilt ihn giftig anblickte.

"Lange nicht mehr dein eigenes Gebrüll gehört, was Dicker?" fragte er und Lee zugewandt erklärte er noch: "Und zum Zweiten gibt es seit den Anfangstagen einen Ehrenkodex unter den Personen mit besonderen Begabungen. Wir setzen unsere Fähigkeiten nie zur Befriedigung persönlicher Neugier ein, sondern nur zum Wohle der Allgemeinheit oder einer in Not befindlichen Person. Es mag nun sein, dass ich das Anfangs nicht ganz so ernst genommen habe, aber mittlerweile sehe ich das anders. Sogar Gucky ist erwachsen geworden."

Er erhob sich, watschelte zu Bullys Sessel und baut sich mit erhobenem Zeigefinger vor ihm auf.

"Ich bin nicht nur der schönste aller Ilts, sondern auch der intelligenteste und zuverlässigste Mausbiber überhaupt. Hast du Gucky stets dabei, löst sich dein Problem wie durch Zauberei!", skandierte er.

Bull sah ihn an und sagte: "Ich glaube langsam tatsächlich, dass ich mal längere Zeit Urlaub brauche. Stellenweise ist es wirklich nicht zum Aushalten mit dir. Auf jeden Fall war ich damals nicht umsonst Chef der Explorer - Flotte. Aber um das Thema zu wechseln. Wer ist mit der nächsten Erzählung dran?"

"Der schönste aller unserer Arkoniden", meinte Gucky. "Wenn ich mich recht entsinne, spielt Ronald Tekener eine ziemliche Rolle dabei. Und der gehörte eindeutig unserem Arkoniden."

"Ja", antwortete der Arkonide nachdenklich. "Ronald hatte wohl mal zu mir gehört. Ich würde etwas drum geben, wenn er noch hier wäre. Aber er war damals im Einsatz und wusste, welches Risiko er einging. Außerdem: Man schaue sich mal die Gesetze über Wahrscheinlichkeiten an. Man braucht nicht lange zu überlegen, um sich immer wieder zu fragen, warum ausgerechnet wir noch leben. Zellaktivator hin oder her. Es ist, als würde irgendwer irgendwo eine schützende Hand über uns halten. Als wäre..."

Sein Blick ging in weite Fernen. Dann gab er sich einen Ruck und war wieder da.

"Ronald hatte sich geschworen, Ertrus nie wieder zu betreten. Zwei- oder dreimal war er schon da gewesen. Ein Monster von einer Welt."

Er lehnte sich zurück.


Spoiler
Atlan erzählte die Geschichte von der Jagd auf den Terraner:

Ertrus hat eine Schwerkraft von 3,4 g, 100 Erdmassen schwer und eine mittlere Temperatur von über 32 Grad Celsius. Eine Extremwelt mit einem Luftdruck, wie wir ihn auf terraähnlichen oder -gleichen Planeten 70 bis 80 Meter unter Wasser haben. Die heimische Flora und Fauna sind sehr aggressiv und riesengroß. Letzteres ist ein absoluter Gegensatz zu fast allen anderen Hochschwerkraftwelten. Normalerweise bleibt dort so gut wie alles am Boden, weil für Höhenwachstum mehr Energie aufgewendet werden müsste. Auf Ertrus ist das genau gegenteilig. Und weil die Pflanzen mehr Energie benötigen, haben sie zwischendurch mal Appetit auf einen tierischen Happen in unserer Größenordnung. Also ein Planet so richtig zum Wohlfühlen.

Heute gestalten sich Besuche relativ locker. Man wird in einem Spezial - SERUN gesteckt, der aus extrem leichtem, aber dichtem Material besteht und läuft dort herum, als gäbe es nichts einfacheres. Nun gut, sobald einer der heftigen Stürme aufkommt, ist es vorbei mit der Herrlichkeit und du wirst sozusagen vom Winde verweht. Wenn du ganz viel Glück hast, bleibt dein Anzug zumindest dicht, auch wenn der Rest nicht mehr funktionsfähig ist. Wenn du noch mehr Glück hast, findet dich die anschließend losgesandte Suchexpedition. Was passiert, wenn du Pech hast, kannst du dir ausmalen.

Und da wollte Ronald Tekener hin, um den Cantaro eins auszuwischen. Von Ertrus stammten die Hauptkämpfer der Cantaro, die Hygophoten. Aus dem Erbmaterial von Ertrusern gezüchtete Kämpfer. Sie zeichneten sich durch verminderte Intelligenz, dafür aber enormer Kampfkraft aus.

Es war auch dringend notwendig, tätig zu werden. Die Cantaro zeichneten sich zu dieser Zeit mit fast explosionsartigen Aktivitäten aus. Das gebot höchste Abwehrbereitschaft, zumal überall Stützpunkte ausgehoben wurden. An Orten, die wir eigentlich als sicher betrachteten. Jede Menge WIDDER - Agenten wurden wo auch immer getötet und es sah nicht gut aus. Sicherlich, ein großer Teil des Zentralplasmas war zurückgekommen und es bestanden gute Aussichten, das Kontrollfunknetz in absehbarer Zeit zu stören. Eine eventuelle Beeinflussung der davon abhängigen Cantaro galt als Fernziel.

Aber soweit waren wir noch nicht. Viele der über ARINET eintreffenden Meldungen berichteten über katastrophale Rückschläge. Die Herren der Milchstraße holten zum Vernichtungsschlag aus. Wie sie es schafften, getarnte Stützpunkte und noch mehr Mitarbeiter zu fassen, war vorerst noch ein Rätsel.

Und Ronald Tekener hatte als einzige auf Heleios verbliebene Führungspersönlichkeit beschlossen, ein bereits vor Wochen geplantes Unternehmen namens Albtraum Ertrus in die Tat umzusetzen. Zwölf Klonfabriken sollten auf Ertrus vernichtet werden. Da hatte er sich was vorgenommen. Zumal Perry nichts davon hielt. Rhodan hatte einen Zusammenhang zwischen seinen Unternehmungen und der begonnenen Großoffensive der Cantaro hergestellt und forderte Tek auf, seinen Plan umgehend ruhen zu lassen, um sich zunächst auf andere Dinge zu konzentrieren.

Nun, da war er bei dem Smiler an der falschen Adresse. Das war einer wenigen Male, bei denen Perry sich nicht durchsetzen konnte.

Blicken wir mal auf das direkte Einsatzteam: Es bestand aus drei Personen. Ronald Tekener selbst, dann dem Plophoser Yart Fulgen, der sich zwar täppisch gab, aber einen extrem scharfen und analytischen Verstand bestand und den Ektopoden Tauro Kasom. Ektopoden waren Klone der Cantaro, eine Art Cyborg mit originalem Gehirn. Der Körper konnte sich in bis zu elf Modulen aufteilen, die bei unterschiedlichen Tätigkeiten von Hirn aus gesteuert wurden. Kasom war nun ursprünglich als Cantaro - Jäger unterwegs gewesen, bis er sich später den WIDDERN anschloss.

Diese Drei waren mit einem Spezialschiff unterwegs. Während ihrer Reise erfuhren sie beim Auftanken im Wega - System, dass auf Ertrus der größte Teil der dortigen WIDDER - Agenten getötet worden sind. Aus den erhaltenen Informationen folgerte Fulgen, dass man vor Ort auf das Unternehmen Albtraum Ertrus aufmerksam gemacht worden war und er ging davon aus, dass das ARINET, das Kommunikationsnetz der WIDDER nicht mehr sicher war.

Das Problem war nun nicht, das Einsatzteam auf Ertrus abzusetzen. Man fingierte einen Angriff und währenddessen schickte man Tekener und Co mittels Transmitter nach Ertrus. Nein, die Schwierigkeit war die Welt selber. In eigentlich notwendige SERUNS konnte man die beiden nicht hineinstecken, die wären sofort geortet worden, allemal, wo die Cantaro sowieso besonders gut aufpassten zu dieser Zeit. Sie trugen eine abgespeckte Version, die man als eine Art Tornister auf dem Rücken trug. Der Rest des Körpers lag frei und musste vor dem Einsatz in langwierigem Vorgehen an den hohen Luftdruck gewöhnt werden. Das war sogar für den Smiler als Zellaktivatorträger fast eine Nummer zuviel. Für Yart Fulgen erst recht.

Das war letztlich auch der Grund, warum man statt der kompletten zwölf und trotz aktiver Hilfe vor Ort nur acht Klonfabriken zerstört bekam. Aber das bedeutete wesentlich weniger Hygophoten. Und wesentlich weniger Terrorisierung der Bevölkerung, die als Ei - bzw. Samenspender missbraucht wurde.

Dass der Einsatz überhaupt ein Erfolg wurde, lag an der Überheblichkeit der Cantaro. Ertruser wären nie in die Klonfabriken hineingekommen. Aber mit einem Einsatz von zwei Zahnstochern, wie sie uns ab und zu nennen, rechneten sie nicht. Nun denn. Hochmut kommt vor dem Fall.

Aber am Schluss ging es einfach nicht mehr. Die Cantaro waren wach geworden und unsere Freunde körperlich am Ende. Sie zogen sich zurück, nahmen dreihundert ertrusische WIDDER mit, aber Tauro Kasom schaffte es nicht, Er opferte sich, um den anderen das Leben zu retten.




"Und so schloss Tauro Kasom sich der schier endlosen Menge derjenigen an, die unser Leben mit Ihrigen bezahlten. Das", Atlan sah sich in der Runde um, "das sind die wahren Helden. Ohne alle die gäbe es uns schon lange nicht mehr."

"Finstere Zeiten, von denen ihr hier redet", sagte John Talbot. "Wenn ich mir das anhöre, bin ich mir nicht sicher, ob der von mir angepeilte Weg richtig ist." Unsicher blickte er auf seine Gefährten.

"Natürlich ist der richtig, mein Junge", entgegnete Reginald Bull. "Du kannst nicht auf ewig eine ganze Planetenbevölkerung wegsperren. Und wenn man mal Atlans vorhin zitierte mathematische Wahrscheinlichkeiten bemüht, kommt ein Besuch eurer Welt von irgendwelchen Unholden jeden Tag ein bisschen näher. Ortungsschutz durch eure verquaste Sonne hin oder her. Da sollte es schon besser sein, im Falle eines Falles zu einer großen Völkergemeinschaft zu gehören, als sich ständig wegzuducken."

"Ja", ergänzte Gucky. "Ab und zu hat sogar der Dicke mal Recht."

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Ein Scheer ohne Heldentümelei. Nanograinger hatte Recht, als er zu Beginn meiner Reise meinte, die späteren Scheer Romane wären besser. Das war so einer.

Wenn man in diesem Band einen Helden findet, so ist das aus meiner Sicht eindeutig Yart Fulgen. Dem linkisch erscheinenden Typ, den man als Sohn eines Plophosischen Wissenschaftlers unterwegs aufgegabelt hatte, mag es an normalen Talenten fehlen. Er eckt an, wenn er den Mund aufmacht und die geneigte Leserschaft wundert sich, dass sich überhaupt jemand mit ihm unterhält.

Er hat auch keine besonderen Fähigkeiten, er ist kein Kämpfer, kein Mutant und kein wissenschaftliches Genie. Aber er kann aus gegebenen Fakten eindeutige Schlüsse ziehen. Er hat Mut und geht mit nach Ertrus. Eine Welt wie diese stelle ich mir nun wirklich nicht sonderlich anheimelnd vor. Sonstige Scheer'sche Edelhelden wie Ratber Tostan hätten zweifellos alle zwölf Klonfabriken alleine eliminiert. Aber wäre das spannend gewesen?

Der Roman ist gut geschrieben, Langeweile kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, ist das hier die Tatsache, dass zu wenig Ertrus dabei war. Vor dem Einsatz wird Yart Fulgen mit seinen Eigenarten von KHS vorgestellt, danach ist man unterwegs, hängt aber im Wega - System fest, weil man auftanken muss und nach Ertrus kommt man erst ganz zum Schluss. Ich hätte mir etwas mehr ertrusische Natur gewünscht. Nun gut. Man kann nicht alles haben.

Der nächste Roman ist von Kurt Mahr. Mit Pedrass Foch haben wir einen bekannten Namen unter den Hauptpersonen. Ich bin neugierig.
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Band 1474 - Das Supremkommando - ist von Kurt Mahr, erschienen am 21. November 1989
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Narr! Natürlich fühlen sie sich hier nicht unbedingt wohl!

Das brauchte mir mein wie immer überaus freundlicher Extrasinn natürlich nicht unter die Nase zu reiben. So ganz daneben war ich nun doch noch nicht. Wie auch immer.

Nachdem wir den zuletzt berichteten Teil unserer Geschichte von ehedem beendet hatten, sah Gucky auf einmal in Richtung Reginald und sagte: "So Dicker. Jetzt wollen wir mal wissen, wie das denn nun mit dir wird. Bully weg oder Bully nicht weg oder was?"

Bevor nun unsere neuen Freunde sich bei diesem erneut hochkochenden Thema unter alten Kumpels fehl am Platze fühlten, bat ich sie zu bleiben und sagte ihnen, dass ihre Gegenwart für uns sehr wichtig sei.
Ich erntete fragende Blicke von beiden und erläuterte: "Manchmal ist es für uns notwendig, grade in solchen Runden, wo es ans Eingemachte geht, Leute wie euch mit zugegen zu haben. Wir laufen sonst in Gefahr, den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlieren."

"Ja," ergänzte Bully. "Das Ding in unserer Schulter verleitet dazu, sich das eine oder andere Mal einfach nur abgehoben zu fühlen. Es führt zu Gruppenbildung und Abkapselung. Und: Ab und zu macht es sogar ein schlechtes Gewissen. Das würde ich an eurer Stelle natürlich keinen Meter glauben, im Gegenteil; ich dächte, da verkauft mich einer für blöd. Hab ich das nicht schon mal gesagt? Egal. Ist aber so. Und manchmal sieht man es seinen Gegenübern an der Nasenspitze an. Wieso darf dieser Laberkopp so lange leben und ich nicht? - solche Gedanken sind klar erkennbar und führen auch bei uns zum Rückzug. Das soll aber nicht sein. Und daher brauchen wir den Kontakt zur - ich sag mal - normalen Bevölkerung, um nicht irgendwann mal einen in die Klatsche zu kriegen." Er blickte in Richtung Gucky. "Bevor du jetzt was von dir gibst, Kleiner, denk daran, dass auch du zu unserem Verein gehörst."

"Das ehrt euch sehr", formulierte Lee vorsichtig. "Aber habt bitte auch Verständnis für uns."

"Keine Sorge", warf ich ein. "So ganz von der Realität entfernt sind wir noch nicht. Zum Beispiel ist uns der Unterschied zwischen eurem Zuhause und einem 240 Meter Raumschiff durchaus klar. Auf eurer Welt sitzen wir im Singenden Ochsen zusammen. Würden wir anfangen, dummes Zeug zu reden, könntet ihr aufstehen und den Tisch verlassen. Das geht hier nicht. Obwohl ihr schon mehrfach mit leuchtenden Augen auf die Wunder des Universums gesehen habt und wir eure Begeisterung gespürt haben - hier könnte ihr nicht einfach verschwinden. Die Welt ist auf 240 Meter Durchmesser begrenzt."

Wir waren unterwegs zum zentralen Schwarzen Loch der Milchstraße, wahlweise als Degejaa Uveso oder terranisch Sagittarius A* bezeichnet. Vorsicht war geboten, weil in der Nähe dieses Riesenteils weitere 10.000 - 20.000 kleinere Schwarze Löcher unterwegs waren, die das Zentrum umkreisten und es ab und zu fütterten. Die kleinen Löcher sammelten Material aus der weiteren Umgebung und verloren es in Folge an den großen Bruder in der Mitte. Und ab und zu ging auf diesem Weg mal ein ganzer Stern unter. Aufpassen war also trotz Hypertechnik angesagt. Aber aus respektvoller Entfernung betrachtet, war es ein Anblick, den man nie vergessen würde.

Komm zurück, Narr! Deine Weisheiten kannst du später von dir geben. Ich seufzte innerlich und schob unser Reiseziel beiseite. Wieder in der Wirklichkeit angekommen, hörte ich grade noch, dass Reginald fragte, wie er denn von unseren Gästen gesehen würde.

Ich sah John tief Luft holen und dann begann er:

"Das, was bei uns auf Newengland über terranische Geschichte bekannt ist, ähnelt im Großen und Ganzen einem Lebenslauf von einem von euch Aktivatorträgern. Wobei die Hauptperson leider nicht anwesend ist."

Er sah Bully an.

"Ich denke, du hattest den schwierigeren Teil eurer Jobs. Betrachten wir mal Rhodan und Bull. Ich bitte um Verständnis, wenn ich die anderen und insbesondere euch beide", jetzt er sah Gucky und mich an, "außen vor lasse. Das würde zu ausufernd werden. Du, Bully, warst die halbe Zeit zu Hause und durftest der Welt und der Milchstraße erklären, wo dein Kumpel Perry Rhodan denn jetzt schon wieder unterwegs war und Steuergelder verschwendete. Dabei macht ganze Chose auf Außenstehende manchmal den Eindruck, als müsse er Probleme lösen, die es ohne ihn gar nicht geben würde. Ein Beispiel: Warum zum Teufel habt ihr Hangay nicht da gelassen, wo es hingehörte? Ursprünglich hattet ihr ja wohl mal die Vereinigung zweier Universen geplant, geht's noch? Man sieht ja in euren Erzählungen, was nach dem Transport nur einer Galaxis passiert ist. Kriege und Tote ohne Ende. Jahrhundertelang.

Rhodan war bei der Hangay - Geschichte wohl der Antreiber, schätze ich mal. Vielleicht hat ihn auch nur irgendwer aus der Meute der Höheren Wesen über den Tisch gezogen, wer weiß das schon? Aber das ist genau das Thema: Er stellt irgendwas an und andere müssen es ausbaden. Im Zweifelsfall du. Wie oft bist du auf der Erde geblieben und hast die Kastanien aus dem Feuer geholt? Zu oft. Aber weil du nur sehr selten in den wirklichen Tiefen des Alls unterwegs warst oder bist, wirkst du auf viele Leute wie die Nummer zwei. Die bist du aber nicht. Ohne dich hätte Perry Rhodan seinen Bauchladen schon längst zumachen können."

Gucky grinste. "Das nächste Mal nehmen wir Perry mit, ob er will oder nicht. Würde mich glatt interessieren, was er hier zu sagen hätte. Denn so ganz unrecht hat unser Freund nicht."

Lee übernahm das Wort und sprach weiter.

"Dabei bist du eigentlich ein Typ, der ab und an raus muss. Du warst nicht umsonst Chef der Explorer - Flotte. Ich bin überzeugt, da spielten heimliche Sehnsüchte mit. Dummerweise hast du in eurem Zweier - Team die Schreibtisch - Rolle übernommen. Aber, und das ehrt dich ohne Gleichen, steht für dich die Menschheit und mittlerweile die ganze Milchstraße deutlich vor eigenen Interessen. Deine Frau und deine Tochter sind weg. Das letzte, was du von ihnen vernahmst, war eine Nachricht, dass du folgen solltest. Dass sie dich lieben. Und du? Hast dich in Perrys Abwesenheit ein paar Jahrhunderte um unsere Galaxis gekümmert. Nachdem Rhodan wieder auftauchte, konntest du dir erstmal anhören, dass er natürlich alles schneller, besser und schöner hingekriegt hätte.

Ich glaube, ich hätte dem die Brocken vor die Füße geworfen, mich herumgedreht und wäre gegangen. Du bist aber immer noch hier. Es wird Zeit, dass du endlich, endlich mal an dich selber denkst. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, dann hau ab. Pack schon mal deinen Koffer, hat man wohl früher gesagt. Aber lass ihn noch zu Hause und warte auf den richtigen Zeitpunkt. Vergiss es nur nicht."

Bully sah uns nacheinander lange an, dann sagte er: "Ich danke euch. Ihr habt Recht." Er blickte eine Weile auf Lee und John. Dann nickte er nachdenklich. "Ab und zu braucht man einen Tritt in den Allerwertesten und bei solchen Aktionen sind Unbeteiligte wie ihr unbezahlbar. Unseren Chef - Arkoniden und hier auf der anderen Seite den schönsten aller Mausbiber kenne ich einfach zu lange. Zwei Personen, die ihr Leben noch normal leben können und sich ihren gesunden Menschenverstand bewahrt haben, sind allemal wichtiger als mehrere tausend Jahre alte Quatschköppe."

Das Unwohlsein unserer Gäste hatte sich schlagartig erledigt. Ich sah, dass Gucky mir von seiner Couch aus zuzwinkerte. Natürlich hatte seine Frage nicht den Zweck gehabt, Bully nochmal nach seiner Meinung zu fragen, die stand sowieso fest. Aber unsere Freunde waren wieder da. Und so etwas kriegt mit einer derart flapsigen Bemerkung eben nur der Kleine hin.

Gucky stand auf und skandierte: "So. Das hätten wir. Jetzt bestellen wir eine Runde von dem, was jeder trinken will und gucken jemanden aus, der freiwillig weitererzählt. Mein Bedarf ist noch gedeckt. Ich habe noch Muskelkater im Unterkiefer vom vielen Reden."

Bully mokierte ein wenig, dass es doch sehr schade sei, dass gewisse Mausbiber so selten Muskelkater in den Sprechwerkzeugen hätten. Dann wäre doch wenigstens ab und zu mal Ruhe. Der Ilt ging aber ausnahmsweise mal nicht auf Reginalds Bemerkung ein und sah mich an. "Na Arkonide, wie wäre es denn mit uns für die nächste Etappe?"

Es blieb mir wohl nichts anderes übrig. Also weiter im Text.

Spoiler
Atlan erzählt die Geschichte vom Supremkommando:

Daarshol hatte ein Problem. Das heißt, eigentlich sollte er keines haben, denn er war seinem Ziel einer Beförderung ein ziemliches Stück nähergekommen. Der Cantaro war bekanntlich mit unserem Freund Pedrass Foch als Geisel geflüchtet. Foch wurde befreit, war einige Zeit später bei dem Desaster am Perseus Black Hole der letzte Überlebende Drakist und geriet erneut in Darshools Fänge. Der wiederum wollte die eine oder andere Info über die Freihändlerwelten weiterleiten, um im Anschluss befördert zu werden.

Letzteres hatte auch funktioniert - er war zum Zeitpunkt dieser Erzählung Standortkommandant der Cantaro Welt Nirva. Nirva war auf das Verhör von besonderen Häftlingen spezialisiert. Und genau das war sein Problem. Sein Häftling war nicht irgendwer: Der Drakist und Widerständler war in den Tiefen der planetaren Zentrale eingesperrt und lag mit seinen schweren Verletzungen in einem Regenerationstank. Foch musste fit werden, damit er endlich reden konnte, Daarshol hatte nämlich das Gefühl, dass man ihm weiter oben kein ausreichendes Gehör schenkte.

Gut, ein paar Informationen hatte er erhalten und auch getreulich weitergeleitet, so unter anderem ein paar Sätze zu den WIDDERN, aber auch diejenigen, die von der Auflösung der CALIDA handelten. Für die CALIDA Geschichte war er gelobt worden, während die WIDDER - Daten zu keinerlei Reaktionen seitens des Supremkommandos geführt hatten. Er kam nicht richtig weiter und hatte Sorge, dass er nicht mehr allzu lange auf diesem Posten bleiben dürfte.

Seine Sorge war berechtigt. Das Cantaro System war eines, dass auf Druck und bedingungslosem Gehorsam fußte, andere Meinungen zählten nicht und wurden im Zweifel unterdrückt. Dergleichen führt aber seltsamerweise bei so gut wie allen Völkern und Kulturen dazu, dass ein Jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Natürlich war das hier nicht anders. Der Mediker Pripoch, der für Fochs Heilungsprozess zuständig war, zögerte den Heilungsprozess hinaus und fügte Foch immer wieder teils heftige Schmerzen zu. Grund war die Hoffnung, dass er vor Daarshol an Informationen kam. Natürlich hoffte auch er auf Vorteile.

Und Foch? Spielte das Spiel scheinbar mit. Als Drakist war er sowieso einiges gewöhnt - zudem hatte er einige Mikro Vorrichtungen wie Module und dergleichen in seinem Körper, die seinem zuständigen Arzt irgendetwas vorspielen konnten.

Wir hatten also zunächst drei Parteien und ich verrate sicherlich nicht zuviel, wenn ich sage, dass Arzt zu gegebener Zeit den Kürzeren zog, als er mit Foch zu Gange war. Irgendetwas explodierte und dann gab es einen Mitspieler weniger.

Darshool erlebte indes eine Überraschung: Mit dem weisen Simedon Myrrho kündigte sich einer von ganz oben an, einer der Mächtigen, einer der Herren der Straßen. Um den hohen Herrn zu beeindrucken, wies der Cantaro den Arzt an, den Drakisten fit zu machen, umgehend, sofort und nicht erst in ein paar Tagen. Nach einigen Stunden hatte Darshool eine aus seiner Sicht wichtige Information: Er kannte die Position des WIDDER - Stützpunktes Paolamon, dessen Vernichtung er Myrrho sozusagen als Geschenk präsentieren wollte. Was er nicht berücksichtig hatte, war die Tatsache, dass Fochs Kenntnisse inzwischen ein wenig veraltet waren. Die eigentlich wehrlose Niederlassung war drastisch von den WIDDERN aufgewertet worden. Umfassende Verteidigungsanlagen sorgten dafür, dass der Cantaro Angriff zu einer deutlichen Niederlage wurde.

In den Wirren danach entkam Foch seinen Widersachern und sein Leibarzt segnete das Zeitliche. Natürlich wurde er wieder eingefangen und dem hohen Besuch präsentiert. Myrrho, der übrigens aussah wie ein Terraner, war davon derart begeistert, dass er Darshool entgegen seiner Befürchtungen nicht bestrafte, sondern im Gegenteil sogar beförderte. Er kam zu seinem großen Erstaunen im Rang eines Strategen als vollberechtigtes Mitglied ins Supremkommando. Er hätte seine Entscheidung nicht unüberlegt getroffen, meinte Myrrho dazu, die derzeitigen Kommandeure wäre mittlerweile in die Jahre gekommen, im Denken verknöchert und bräuchten dringend eine Auffrischung.

Der überraschte Cantaro folgte seinem Herrn zu der Welt Schotschi, auf der sich das Supremkommando mit seinen 1000 Mitgliedern befand. Pedrass Foch hatten sie mitgenommen. Teilweise mit und teilweise ohne Myrrhos Beteiligung wurde Foch von den vorhandenen Mitgliedern des Kommandos verhört und er offenbarte, scheinbar randvoll mit psychischen Mittelchen, jene Menge Standorte der WIDDER. Er eröffnete den staunenden Zuhörern, dass die WIDDER sich auf eine Invasion der Milchstraße vorbereiten würden. Die Technik hätte in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, man sei den Cantaro ebenbürtig und gedächten, diese zu vertreiben.

Die Verdienste schrieben die Suprem - Mitglieder alleine Darshool zu und verneigten sich vor der Weisheit derer, die ihn auf die Kommando - Ebene angehoben hatten.

Als sich Myrrho an dieser Stelle einschaltete und ebenfalls über die WIDDER referierte, wurde er von einer Computer - Meldung unterbrochen. In der Unterkunft des terranischen Drakisten habe es eine Explosion gegeben. Es hatte den Anschein, dass Foch und sein medotechnischer Bewacher vernichtet worden seien.

Aber es hatte nur den Anschein. Den wahren Grund der Explosion fand man nicht heraus. Was man bei den Untersuchungen feststellte, war die Tatsache, dass die gefundenen Überreste nichts mit Pedrass Foch zu tun hatten. Ein Cantaro war ums Leben gekommen. Von Foch fand man keine Spur, zumal die erhofften visuellen Ortungen ins Leere liefen. Er war einfach verschwunden.

Natürlich war Myrrho über das Gehörte wenig erfreut. Lediglich die Meldung der Einsatzbereitschaft der cantarischen Streitkräfte stellten ihn einigermaßen zufrieden.
"Schlagt zu, sagte er und hört nicht eher auf, bis die Organisation WIDDER vollständig vernichtet ist."


Mit diesem Satz beendete ich meine Erzählung.

"Ich traue diesem Typ nicht", meinte Lee nach einer Pause. Als ich sie fragte, wie sie darauf käme, erklärte sie: "Ziemlich zu Beginn hat Gucky den Namen Foch mal ausgesprochen, als würde er diese Figur am liebsten nochmal zum Teufel jagen. Das war zwar nur einmal, aber ich habe das nicht vergessen. Dann deine Art der Erzählung, nie den Vornamen alleine, immer nur Foch oder Drakist. Diese Mikromodule, von denen die Rede war und die aus meiner Sicht nur angebliche psychische Beeinflussung."

Sie lehnte sich zurück.

"Der taugt nicht die Bohne und erzähl mir jetzt nichts anderes!"

"Das hätten Herr Admiral aber auch geschickter hinkriegen können, oder?" piepste eine Stimme im Hintergrund. Wo er Recht hat, hat er Recht, alter Narr. Deine Erzählungen waren schon mal besser.

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Pedrass Foch war für mich damals bis zu diesem Roman einfach nur Pedrass Foch. Ein zwar mit allen Wassern gewaschener Agententyp, aber ansonsten ein normaler Mensch. So einer wie Don Redhorse oder ähnlich.

Ich erinnere mich deutlich daran, wie ich nach diesem Band meine Meinung änderte. Ich hatte zwar immer noch keine Ahnung, wo das letztlich hinführen sollte, aber eben "normal" war der nicht mehr. Es mag sein, dass andere früher misstrauisch wurden, aber ich merke sowas immer erst dann, wenn ich mit der Nase draufgestoßen werde. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert.

Kurt Mahr schreibt wieder einen Chef - Roman, der das letzte Viertel des Zyklus einläutet. Und so ganz langsam scheint sich der Vorhang etwas weiter zu lichten, immerhin haben wir zum ersten Mal einen von ganz oben. Viel verrät er natürlich nicht, dafür ist es noch zu früh, aber es erhöht die Spannung.

Der Roman selber war nun kein Überflieger, aber er war gut lesbar und wie gesagt: Er öffnet Tore.

In der Vorankündigung für Band 1475 taucht tatsächlich der Name Gesil auf und unser guter alter Walter erfreut uns nochmal mit einem neuen Roman.
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Zwischenspiel:

"Es steht fest", sagte Reginald Bull. "Ich werde gehen."

Er sah Lee an und sprach weiter: "Was du später hieraus machst, ist mir egal. Aber tu mir bitte den Gefallen und veröffentliche nichts, solange ich noch nicht weg bin."

Lee nickte und antwortete, dass man über Selbstverständlichkeiten nicht zu reden brauche und dass er sich auf sie verlassen könne.

Anschließend nahm Bull den Ilt und den Arkoniden ins Visier. "Es wird keine Abschiedsfeier geben. Ich werde mich bei passender Gelegenheit umdrehen und bin dann mal weg. Denn bei einem öffentlich geplanten Ausstieg werden garantiert irgendwelche Leute Leuchtplakate oder sowas hochhalten, auf denen steht - Bully, du darfst uns nicht verlassen oder ähnliches. Die Gefahr, dass ich dann hierbleibe, ist viel zu groß. Der Einzige, der mich aufhalten kann, soll ich selber sein. Und der Einzige, von dem ich mich verabschieden werde, wird Perry sein. Das bin ich ihm einfach schuldig. Und er wird es verstehen"

Gucky nickte. Ja, das konnte er nachvollziehen. Er erwiderte den Blick und sah nachdenklich aus - geradezu so, als überlegte er Ähnliches.
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Meinung:


Drei Viertel des Zyklus sind rum und so ganz, ganz langsam scheint es auf die Zielgrade zuzugehen. Die Haluter sind gefunden, das Zentralplasma auch und ansonsten kommt man ebenfalls weiter.

Natürlich ist seit einiger Zeit erkennbar, dass alles auf einen Kampf Rhodan - Monos hinausläuft; aber wer das ist, weiß noch keiner. Seit dem letzten Band ist erkennbar, dass mit Pedrass Foch irgendwas nicht ganz so ist, wie man bislang dachte. Wie es in Terras Hallen aussieht, ist nach wie vor völlig unbekannt, es gibt also noch genug zu klären.

Immerhin taucht im Folgeband der Name Gesil auf, also werden auch hier Fortschritte erzielt werden.

Perry Rhodan selber scheint sein Formtief überstanden zu haben. Aktuell wirkt er wieder wie der Rhodan, den man seit Band eins kennt. Aber er war nie menschlicher und "normaler" als in diesem Zyklus. Die Schilderungen seiner Person, als er die Analyse der Gewebeprobe erhielt hat gezeigt, dass auch ein Perry Rhodan an seine Grenzen kommen kann. Leider hat man es in der ganzen Serie danach nie wieder geschafft, einen derartig völlig fertigen Haupthelden zu sehen. Schade, das hat ihn sehr menschlich gemacht; zudem ist aus den Leserbriefen erkennbar, dass das damals gut angekommen war.

Es gab wie so häufig viel zu wenig Bully, o.k., anfangs war man immerhin mit seinem Schiff CIMARRON unterwegs, da war er zumindest zu gegen. Aktuell findet er nicht statt. Als gäbe es ihn nicht. Er wird noch nicht mal ansatzweise erwähnt.

Dann beginnt in diesem Zyklus die Phase der Trennungen. Ratber Tostan ist weg. Dem weine ich nicht hinterher, der war mir eine Nummer zu heldenhaft. Aber ich bleibe bei meiner Kritik an der Art des Verschwindens. Vierzehn Schiffe hatte man. Vierzehn. Und eines davon wird derart leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Unseren alten KHS in allen Ehren. Aber der Atlan früherer Tage hätte sich niemals so über den Tisch ziehen lassen und Tostan wohl eher eingesperrt, als dergleichen zuzulassen.

Atlans Herzblatt Iruna, wohl eine HGE-Entwicklung, war ebenfalls an der Reihe. Genauso wie RT wurde sie so entsorgt, dass nicht völlig klar wurde, ob sie denn nun tot ist oder nicht. Perry Rhodan serientypisch gingen beide so von dannen, dass man sie bei Bedarf mit Hilfe einiger Spiegeltricks wieder hervorholen könnte.

Dann begann in diesem Zyklus das Unsterblichensterben (tolles Wort, stand mal so in einem Leserbrief). Die damalige Meinung ging von "Endlich wird mal aufgeräumt" bis hin zu "Lasst uns unsere Lieblinge". Mich würde interessieren, wie die Äußerungen gewesen wären, hätte man gewusst, was noch kommen sollte. Deightons Tod war - nein, nicht angebracht, das ist ein Tod vor der Zeit nie, ich muss das richtige Wort finden - aus Seriensicht okay, sag ich mal. Mir war nie klar, warum der ehemalige SolAB Chef einen Zellaktivator erhalten hatte. Den hatte er in den Wirren der Second Genesis Krise als Nachfolger von Allan D. Mercant erhalten. Aber wofür? Welche konkreten Leistungen hatte er vollbracht, um sich dieses Ding zu verdienen? Aber man hat ihm zu seinem Ende wenigstens eine gute Geschichte geschrieben.

Und Waringer? Sein Ende hatte mir damals einen richtigen Stich gegeben. Dem ursprünglich linkischen Schwiegersohn Rhodans wurde ganz profan der Zellaktivator geraubt (genau wie Deighton). Als der Rest der unsterblichen Truppe sah, wie es ihm ergangen war, erkannten sie ihr eigenes Ende. Ein großer Moment der Serie. Heute sehe ich Waringers Tod anders. Er hatte zu sehr diese Daniel-Düsentrieb-Funktion, Erfindungen auf Knopfdruck. Die Vorgehensweise der Autorenschaft ist für mich aus heutiger Sicht nachvollziehbar.

Zwei weiteren Figuren steht das Ende noch bevor. Aktuell (Stand 1475) leben sie zwar noch, aber ich denke, bis zum letzten Band über Irmina Kotschistowa und Jennifer Thyron wird es nicht mehr lange dauern. Auch hier war der geheimnisvolle ZA - Dieb zu Gange. Wobei das bei IK aus meiner Sicht total daneben war. Es war bekannt, dass der ZA-Klau umgeht und sie lässt das Teil in einem Anfall von Größenwahn in ihrer Kabine liegen. Das hätte man besser regeln können.

Aber trotz meiner Moserei gefällt mir dieser Zyklus bis jetzt sehr gut. Ein stellenweise einsamer und verletzlicher Perry Rhodan, dann die anfängliche Frage, was sich hinter diesem teuflischen Wall verbirgt, Blitzer, Haluter weg, Zentralplasma weg, das hatte schon was. Allererste Sahne.

Im Moment läuft die Chose auf die drei Fragen hinaus, die Jemand in seinem Leserbrief aus Band 1475 formulierte:

1. Wer zum Teufel ist der Teufel, der in Terras Hallen wohnt?
2. Wer zum Teufel ist der Teufel, der die Zellaktivatoren klaut?
3. Wo zum Teufel ist unsere Lieblings - Superintelligenz ES mal wieder abgeblieben?

Eine der drei Fragen wird bis 1499 beantwortet werden. Mit den beiden anderen dauert es noch ein wenig...
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Tifflor »

Ja, bei Deighton habe ich auch nie verstanden, warum er einen ZA hatte. Deswegen war sein Ableben für mich unproblematisch.
Waringer mochte ich, aber der Daniel düsentrieb-Vergleich ist nicht ganz unpassend.
Richtig geärgert hat mich das unnötige Ableben von
Spoiler
Ras und Felmer
Zumindest gab es damals aber noch dieZA-Eier. Wenn man einen Unsterblichen rausgeschrieben hatte, konnte man einen anderen aufbauen.
Das geht heute mit den Chips nicht mehr.
Ich finde, da haben sich die Autoren selbst unnötig eingeschränkt.
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Richard
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Richard »

Ad Gal Deigthton: ich glaube, das kam so vom "Funktionsdenken" her:
Mercant als Geheimdienstchef hatte einen ZA, also bekommt der neue Geheimdienstchef auch einen ZA.

Die ZACs wurden mit Band 1600 eingeführt. Von den damals verantwortlichen Personen dürfte nur mehr KNF aktiv bei PR tätig sein (Uschi ZIetsch/Susan Schwartz hatte erst mit Band 1652 ihren Einstand bei PR und ist jetzt mal auf Pause und es ist mE eher nicht wahrscheinlich, dass sie als Teamautorin zurückkehren wird. ArEl und HoHo leben vom damaligen Autorenteam noch (also Ennox Zyklus) aber sind beide nicht mehr aktiv.

Ich glaube, die ZACs waren ein "Zugeständnis" an die im realen Leben vorangeschrittene Mikrotechnik (also die "kleinere Größe").
Weiters gab es meiner Erinnerung nach immer wieder die Aussage, dass eine grosse Anzahl von ZA(c)ies in der Serie schwieriger zu "handeln" wären und man deshalb die Anzahl der ZA(c)ies nicht erhöhen wollte (als für manche Figuren seitens der Leserschaft ein ZA vorgeschlagen wurde).
Aktuell ist das Problem, dass Lotho nicht mehr als "ZAC Einbauer" zur Verfügung steht. Bis zu seiner Loslösung von ES hat er dann und wann mal einen ZAC verliehen (zuletzt an den Perry aus der alternativen Wanderer Enklave).
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von Tell Sackett »

Tifflor hat geschrieben: 22.07.2025, 11:24 (...)
Richtig geärgert hat mich das unnötige Ableben von
Spoiler
Ras und Felmer
(...)
Das war auch weniger ein dramaturgisch sinnvolles Ableben, als viel mehr eine Entsorgung... :hm:
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Tifflor hat geschrieben: 22.07.2025, 11:24 Richtig geärgert hat mich das unnötige Ableben von
Spoiler
Ras und Felmer
Das geht mir genauso. Beide eher ruhige Vertreter und für mich absolute Sympathieträger.
Richard hat geschrieben: 22.07.2025, 12:49 Ad Gal Deigthton: ich glaube, das kam so vom "Funktionsdenken" her:
Mercant als Geheimdienstchef hatte einen ZA, also bekommt der neue Geheimdienstchef auch einen ZA.

Klar. Das wird der Grund gewesen sein. Nachvollziehbar war das für mich aber nie. Immerhin unterhalten wir uns über eine extreme Lebensverlängerung und nicht über eine Gehaltserhöhung. Was mich immer gewundert hat, ist die Tatsache, dass Perrys ZA - Verleihungen nicht zu bösem Blut geführt haben. Es muss Gierhälse gegeben haben, die einen vermeintlichen eigenen Anspruch auf die Eier hatten.
Aber wirklich ging man an dieses Thema erst hier im Cantaro - Zyklus ran.

Die Umstellung auf die Chips führte m.E. aber auch dazu, dass PR die Dinger nicht mehr "einfach so" verleihen oder weitergeben konnte. Das nahm ihm zumindest ein wenig von seinem Supermann - Status.

Bei dem damaligen Unsterblichensterben spielte sicherlich die Hauptrolle, dass eine zu große Anzahl Unsterblicher, allemal Mutanten, in einer Serie wie PR nur sehr schwer zu handhaben sind. Schon damals war die Kritik "Problem - Mutant - Lösung" schon längere Zeit aktiv. Zudem: Man kann eben nicht für jeden einen Weg wie bei Tiff oder Rhodan junior finden. Die Schwierigkeit war nun, dass so mancher seine eigenen Lieblinge hatte, die man in der Serie behalten wollte. Meiner war eindeutig Ras Tschubai. Deswegen hat mir wohl auch das Raumschiff RT gefallen und die PHOENIX nicht (das hat nichts mit dem neuen Zyklus zu tun, den ich nur sporadisch lese. Ich kriege einfach keinen Draht zu dem Teil).

Dummerweise kann man es in einer Endlosserie wie PR nicht andauernd allen Recht machen. Wie bei der Eule und der Nachtigall.

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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von RBB »

Band 1475 - Auf Gesils Spuren - ist von Clark Darlton, erschienen am 28. November 1989
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"Der verwaschene Fleck in der Mitte, das ist es." Ortungsspezialist Artog Neuville zeigte auf den großen Panorama - Bildschirm in der Zentrale. "Wartet mal, ich sehe mal nach, wieweit man das vergrößern kann."

Er schaute auf einen virtuellen Bildschirm, der mitten in der Luft hing und bediente eine ebenso virtuelle Tastatur. Dann grummelte er sich etwas in den nicht vorhandenen Bart und meinte dann: "So. Jetzt wird es klarer."

Aus dem verwaschenen Fleck war ein waberndes Etwas geworden, das augenscheinlich von irgendetwas umkreist wurde und eine Helligkeit sondergleichen ausstrahlte. Gleichzeitig wirkte es dräuend und unheilvoll.

"Ich dachte, das wäre ein Schwarzes Loch", sagte Lee mehr zu sich selber als zu den Anderen. Dann sah sie sich um und fragte: "Wie weit in das weg? Das ist doch dieses Dejenga..."

"Dengejaa Uveso", wurde sie von Gucky korrigiert. "Das ist das zentrale Big Black Hole unserer Milchstraße. Auch bekannt als Sagittarius A*. Ich habe mir diesen Begriff eingeprägt, den kann ich besser behalten als den anderen. Der stammt aus der Sprache der Ewigen Krieger und die wars für mich sowieso nicht."

Der Ilt drehte sich um und sah die Kommandantin Xentra Konar an. "Können wir näher ran?" wollte er wissen.

Die Chefin antwortete: "Wir sind im Moment ungefähr 3,5 Lichtjahre entfernt. Ja, wir können näher ran, aber nur langsam. Artog, drück mal auf die Knöpfe."

Neuville grinste, tippte irgendetwas Undefinierbares in die Tastatur ein und plötzlich leuchteten rund um das Schwarze Loch jede Menge hellrote Punkte auf. "Das sind circa 15.000 kleinere stellare Schwarze Löcher mit einem Durchmesser von nicht mehr als 10 Kilometer. Das Riesending in der Mitte zieht seine Verwandtschaft aus der ganzen Galaxis an und die platziert sich nun mal hier. Wenn man nicht unbedingt deren Bekanntschaft machen will, ist ein wenig Vorsicht geboten."

"Ich müsst wissen", führte Gucky die Unterhaltung fort, "dass hier in früheren Tagen ein Rückzugsgebiet von Strolchen war. Du findest nicht nur Unmengen Schwarzer Löcher und mehr Sonnen als sonstwo, sondern auch heimatlose Planeten, die hier in eisiger Dunkelheit ihr Dasein fristen. Dort hatten bewusste Strolche ihre Lager, in der Hoffnung, dass man sie hier nicht finden würde. Das klappte aber nicht immer."

Atlan und Bully lachten verhalten. Sie hatten das Spiel das eine oder andere Mal mitgemacht.

"Wenn unsere zitierten Unholde nun nicht richtig aufpassten, erging es ihnen so manches Mal wie den umherkreisenden Sonnen oder Planeten. In der Nähe eines der Schwarzen Löcher wurden sie in ihre Bestandteile zerlegt und umkreisten auf einmal als Materiewolke eines der kleineren Schwarzen Löcher. Manchmal kamen sie auf diesem Weg auch völlig aufgelöst in die Nähe des Großen in der Mitte und fütterten ihn ein wenig. Auf Dauer ist das wohl ein bisschen zu gefährlich geworden und das Thema Strolche in diesen Gegenden hat sich erledigt."

"Wie lange brauchen wir, wenn wir näher rangehen?" wollte Bull wissen.

"Auf Grund der großen Belastung geht es nur langsam und vorsichtig vorwärts. Ich denke mal, morgen um diese Zeit sind wir da und zumindest so nah dran, dass man mehr sehen kann."

Xentra drehte sich herum und gab leise ihre Kommandos an die weiteren Zentralemitglieder.

"Dann haben wir ja noch was Zeit", meinte Gucky. "Ich glaube, wir ziehen uns ein wenig zurück, lassen die Leute hier in Ruhe ihre Arbeit machen und ich erzähle euch noch was."

Sie saßen wieder in dem gleichen Raum wie vorhin und machten es sich bequem.

"Außer Halutern, dem Zentralplasma, Terranern, WIDDERN und ich weiß nicht wem noch alles, war noch eine Person unterwegs, die wir hier", er zeigte sich auf Atlan und Bull, "seit den ersten Anfangstagen kennen. Als er im früheren Galakto - City auftauchte, konnte er in der Zeit herumspringen, wie ich teleportieren konnte. Das war Ernst Ellert."


Spoiler

Gucky erzählt die Geschichte des Mannes, der sich auf Gesils Spuren begeben hatte:

Ernst konnte natürlich nicht willkürlich in der Zeit herumturnen. Die Vergangenheit war weniger das Problem, das war eher in der Zukunft zu sehen, weil die ja noch nicht feststeht. Also ging er auf dem Zeitstrahl auf die Reise, der die wahrscheinlichste Zukunft versprach. Ohne Gewähr auf Richtigkeit. Und je weiter er sich von der Gegenwart entfernte, desto weniger wahrscheinlich war der Eintritt dessen, was er erlebte. Aber allzu lange konnte er diese Fähigkeit nicht genießen, denn er starb 1972 alter Zeitrechnung im Kampf gegen die insektenähnlichen Individualverformer.

Da staunt ihr, was?

Der Kerl lief nämlich ein paar Jahrhunderte später durch die Gegend und suchte Gesil. Wie er das gemacht hat? Naja, tot heißt bei unsereinem nicht immer wirklich tot. Sein Geist lebte noch und durchstreifte das Universum von Anfang bis Ende. Er erhielt mehrere Körper und überstand so die Jahrhunderte bis zu unserer heutigen Geschichte.

Ellert hatte im Jahr 448 NGZ im Auftrag von ES die Dezentralisierung der BASIS eingeleitet, er kannte aber die Hintergründe nicht. Nach der Großen Kosmischen Katastrophe brach der Kontakt zu ES ab und somit gab es natürlich keinerlei Erklärungen mehr zu diesem Thema. In Folge machten sich sowohl Ellert als auch sein Kumpel Testare zur Aufgabe, Perrys Frau Gesil zu suchen. Die war nämlich ebenso wie ihr Mann samt uns als Gefolge weg. Nur, dass sie anderswo verschwunden sein musste, denn bei uns war sie ja nicht.

Wir befinden uns übrigens im Jahr 490 NGZ, also lange vor der Zeit, in der wir wieder auftauchten. Ernst und Testare suchten Perrys Frau auf unterschiedlichen Wegen und man hatte sich lange nicht mehr gesehen. Aber sie hatten vor der Trennung Kontaktstellen vereinbart, bei denen man gesichert Nachrichten für den anderen hinterlassen konnte. Eine dieser Stellen war in einem uralten Tempel auf Asporc zu finden. Natürlich verpassten sie sich um ein paar Tage. Das war ja auch zu einfach gewesen, wenn mal was auf Anhieb funktioniert hätte...

Testare konnte keine positiven Nachrichten übermitteln. Nichts, aber auch gar nichts hätte er gefunden und schon gar keine verlässliche Spur zu Gesil. Aber, tataaa, meine Damen und Herren, er hatte Hyperfunkkontakt mit einer, so wie es aussah, männlichen terranischen Person. Dieser Fremde behauptete nun, er könne bei der Suche nach Gesil entscheidend weiterhelfen. Die Person besaß Insiderwissen über Perry und Gesil und sprach davon, er meinte, er habe sich ständig in unmittelbarer Nähe der beiden aufgehalten. Dazu behauptete er steif und fest, er wisse genau, wie Gesil ihre Schuld zu tilgen habe. Was damit gemeint war, sagte die Figur allerdings nicht. Aber er wisse, was aus ihr geworden sei und wo sie sich aufhalte.

Zu Testares größter Überraschung schlug der vermeintliche Terraner ein Treffen in den ersten Januar - Tagen 491 NGZ vor. Treffpunkt sei der Raumhafen auf der Welt Conjonk, dem vierten Planeten der Sonne Ashcan in der Galaxis Hangay.

Und Testare sagte noch, dass er hundertprozentig versichern könne, dass Perry Rhodan und seine Spießgesellen, also wir hier, alle noch leben würden.

Natürlich konnte Ernst Ellert es bis zu den ersten Januartagen nicht bis nach Hangay schaffen, aber trotzdem zog es ihn dahin. Nach einigem Durcheinander schaffte er es tatsächlich bis nach Conjonk, einer Welt, die von außerordentlich friedfertigen Wesen bewohnt wurden. Sie nannten sich Beegonen und ähnelten irdischen Backenhörnchen. Ich bedaure es außerordentlich, nicht dabei gewesen zu sein, denn ich hätte sie gerne kennengelernt. Ich glaube, wir hätten uns gut vertragen.

Aber dummerweise lag der Planet dieser friedensliebenden Bewohner mitten in einer Kampfzone zwischen Hauris und den feliden Karaponiden und prompt wurde Ernst Ellert gefangen genommen und soll nach Karapon gebracht werden.



"Ihr habt allesamt ein gutes Talent, dem Teufel von der Schüppe zu springen", sagte John Talbot und musterte die drei Unsterblichen. "Als hättet ihr einen besonderen Schutzengel."

"Ja", sagte Atlan. "Das ging mir auch durch den Kopf, als ich die alten Römer überlebt hatte. Da ist was dran. Aber frag uns nichts Genaues, so manches Mal sind wir selber überrascht."
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Naja. Wieder ein typischer CD-Roman. Die Handlung schwenkt um zu Ernst Ellert, der sich an Gesils Spuren geheftet hat. Natürlich läuft er Testare hinterher und trifft nicht auf ihn. Wir erhalten ein paar Infos, aber genauso natürlich nichts Genaues. Etwas anderes hätte uns auch enttäuscht...

Unser guter Walter schrieb einen Roman von der Sorte "Einige von uns sind zwar böse, aber im Grunde haben wir uns alle lieb." Er ist ordentlich lesbar, aber keinen Millimeter spannend und gehört für mich zu den weniger guten Bänden des Zyklus. Nun denn. Die Friedfertigkeit gehört zu Walter Ernsting wie der Dom zu Köln. Und das ist auch gut so, selbst wenn ich seine Romane nicht immer als allererste Sahne bezeichnen kann. Gäbe es auf unserer Realwelt mehr Menschen wie den Mann, der uns die Zukunft brachte, gäbe es ein paar wesentliche Probleme weniger.
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Re: Klassiker - Die Cantaro. Eine Zyklusbetrachtung mit begleitender Story

Beitrag von thinman »

Tifflor hat geschrieben: 22.07.2025, 11:24 Ja, bei Deighton habe ich auch nie verstanden, warum er einen ZA hatte. Deswegen war sein Ableben für mich unproblematisch.
Womit kann man einen Menschen bestechen? Mit Reichtum oder mit dem Wissen, dass er verdammt lange Zeit hat, sich an seinem Reichtum zu erfreuen? Insofern gesehen hat die Verleihung der Unsterblichkeit eine ganze Reihe von wünschenswerten Nebeneffekten. Das Grundprinzip aller geheimdienstlichen Tätigkeit ist vertrauen und durch die Unsterblichkeit erkauft man sich vertrauen, denn der ZA-Träger giert nicht mehr nach einem, wie einst weiland ein gewisser Topagent.

thinman
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